Sonntag, 26.02.2006
www.herzdamengeschichten.de
Dieses Blog endet hier, wird aber natürlich umgehend anderweitig fortgesetzt. Die Herzdame und ich sind umgezogen, künftig zu finden unter neuer Adresse.
Nur ein Klick ? und schon geht es weiter:

Freitag, 24.02.2006
Vorbei
Dienstag, 21.02.2006
Romantische Erinnerung, stark ostwestfälisch geprägt
Die Herzdame, die vorhin verträumt ihren Zeigefinger durch ein eingerissenes Loch an der Rückseite meines T?Shirts bohrte, murmelte erinnerungsselig lächelnd vor sich hin: ?Das ist noch von damals, als ich dich an den Füssen aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer gezogen habe. Der Abend mit den Splittern im Rücken.?
Sonntag, 19.02.2006
OmU
Es kommt ja mal vor, daß man versucht, einem Spielfilm in der Originalfassung zu folgen und daran scheitert, weil man einfach zu wenig versteht und die Handlung daher nicht begreift. Muß einem auch nicht peinlich sein, nicht jeder ist sprachbegabt oder hat viele Jahre im Ausland verbracht. Man darf auch mal eine Schwäche zugeben, zu seiner mangelnden Weltläufigkeit stehen und sich von den deutschen Untertiteln helfen lassen, woraufhin man dankenswerter Weise dahinter kommt, worum es in dem Film gehen könnte.
Die eingeblendeten Untertitel haben der Herzdame und mir heute abend jedenfalls sehr bei unserem DVD-Abend geholfen. Bei einem Film aus Österreich.
Freitag, 17.02.2006
Die Kaffeekasse
Auf meinem Weg vom Büro nach Hause komme ich an etlichen Konzernverwaltungen und Versicherungszentralen vorbei. Da die Menschen in der City-Süd immer dieselben Wege gehen, von der S-Bahn ins Büro oder zurück, bewegt sich abends an diesen Zentralen vorbei ein Strom von Menschen in die gleiche Richtung. Aus den Hochhäusern am Weg kommt stetig Verstärkung, Mensch um Mensch reiht sich ein, man geht so nebeneinander her zur Station, fremd und doch sehr gleichartig. Zwei Angestellte, eine Frau und ein Mann, denen man ihr Sachbearbeiterdasein deutlich ansieht, kommen aus der Hauptverwaltung einer Versicherung und gehen vor mir her. Sie unterhalten sich über die Kaffeekasse ihrer Abteilung, sie reden laut, ich kann ihrem Gespräch gut folgen. Sie ist Geldeintreiberin im Auftrag der Kaffeekasse, er ist der Verwalter dieser Institution. Sie reden über neue Kollegen und schätzen die Zuverlässigkeit und Zahlungsbereitschaft ein, es scheint da neuerdings unter den Neueinsteigern und Berufsanfängern einen unvermutet rebellischen Menschenschlag zu geben, der die gemeinschaftliche Kaffeekassenzahlung verweigert und auf neumodische Einbechermaschinen umsteigt. Autonome Kaffeetrinker! Dadurch steigen natürlich die Kosten für die verbleibenden Einzahler, denn die Menge an Kaffe, die gekocht wird, ist immer gleich, egal, wieviel Kollegen dann etwas nehmen, das bringen die großen Maschinen so mit sich. Der Verwalter der Kasse kann das über jetzt vier Jahre belegen, die Preisentwicklung von Kaffee und auch die von Dosenmilch, alles in Relation zur Abteilungsstärke, sowie die Konsequenzen für die Beiträge, das kann gerne auch grafisch dargestellt werden und zwar bis auf den Cent genau. Davon abgesehen würde man, sagt sie darauf, von solchen Kaffeeautonomen auch gar nichts mehr erfahren, wenn das wöchentliche Gespräch beim Kassieren wegfallen würde, letztlich wären ja sogar die Vornamen nur bekannt, weil man diese für die Excelliste der Kaffeekassenteilnehmer abfragen würde. Die Geldeintreiberin treibt außerdem schon lange die Frage um, welcher Betrag bei halben Wochen zu kassieren sei, wenn also etwa ein Brückentag die Arbeitswoche verkürzt, ist dann auch der Kaffeewochenbeitrag zu halbieren? Oder wäre es nicht noch besser, ein kleines Plus zu erwirtschaften, wo die Preise doch weiter steigen würden, was der Verwalter sofort eifrig bestätigt, bis auf den Cent genau. Es wäre doch schön, wenn man die Regeln für die Einzahlung einmal klar aufschreiben würde, dann gäbe es auch nicht immer diese Fragen zu Zahlungserstattungen bei Urlaubstagen, Krankheit und so weiter, da sollte man sich dringend mal zusammensetzen und das formulieren. In diesem Zusammenhang sei für die nächste Abteilungssitzung übrigens vorzumerken, noch einmal zu diskutieren, ob es wirklich immer der Markenkaffee sein müsse oder ob es nicht vielleicht auch ein billigeres Produkt sein könne. Darüber könne man bekanntlich lange debattieren, aber letztlich ? diese Marke war es eben immer schon, da sei ja klar. Der Kassenverwalter könnte natürlich für alle Fälle mal zur Vorbereitung verschiedene Modelle mit anderen Kaffeemarken durchrechnen, aber gerne doch, bis auf den Cent genau, gleich am Montagmorgen.
Das Leben in Versicherungshauptverwaltungen muß unglaublich kompliziert sein.
Dienstag, 14.02.2006
Die Liebe, die Liebe: Valentinstag
Der Blumenladen im Hamburger Hauptbahnhof ist brechend voll, eine Schlange bis weit vor den Laden und alle Kunden sind männlich. Man sieht sich verständnisvoll an, während man da steht und wartet, es hängt ein Gemurmel von ?Muß ja? und ?Alle Jahre wieder? über den Köpfen. Der Blumenladen hat die doppelte Besatzung an Bord, die Verkäuferinnen wimmeln hektisch zwischen den wartenden Männern herum. Weil viele der Herren aus dem Büro kommen und sich daher in der Wahl der Kleidung zum Verwechseln ähneln, kommen die Verkäuferinnen schon mal durcheinander und wissen nach einer Drehung um die Blumenkübel herum nicht mehr, welchem Kunden sie gerade die Blumen reichen wollten: ?Welcher Mann war jetzt meiner??
Nicht nur das Personal dort wurde verstärkt, auch die Preise für Rosen sind von gestern auf heute um immerhin hundert Prozent gestiegen. Vielleicht liegt es nur daran, das die Männer vor mir mehrheitlich zu der billigen Ware tendieren und auf die obligatorische Frage ?Grün dabei?? erst einmal mit der Gegenfrage ?Kostet das extra?? antworten. Nur ein junger Türke fällt aus dem Rahmen, als ihn eine Verkäuferin Blume für Blume fragt, was noch alles in seinen Strauß soll, läßt er kategorisch wissen: ?Fragst du nicht, machst du groß!?. Ein glühender Romeo unter lauter Pflichterfüllern.
Daneben ein älterer Herr im Dreiteiler nörgelt derweil pedantisch an der Drapierung einiger Halme Grün an seinen Billigrosen herum und versucht schließlich, den Preis nach unten zu runden: Fragen kann man ja mal.
Montag, 13.02.2006
Literaturkritik in Kürze
Die Herzdame liest meist jedes begonnene Buch eisern zu Ende, es muß schon sehr mißfallen, damit sie die Lektüre abbricht. Gestern wurde Marcel Prousts ?Tage der Freude? von ihr entnervt beiseite gelegt, mit dem finalen Kommentar: ?Unerträglicher Klugscheißer?.
Das ist natürlich eine ganz erstaunliche Wertung. Ich habe bis gestern gedacht, sie würde diese Bezeichnung exklusiv für mich verwenden.
Sonntag, 12.02.2006
Februarsonntag
Sonntagmorgen sehr früh, die Außenalster liegt im Nebel. Das andere Ufer ist nicht zu sehen, man könnte auch am Meer stehen, grau und verloren ragt ein Steg in die unbestimmte Weite. Geräusche aus dem Dunst, ein gedämpftes, schweres Schieben und Malmen, dazwischen ein helles Zerspringen und fein klirrendes Bersten, es quietscht und ächzt, es klingt nach Beschädigung und Scherben: Das Alstereis bricht. An einem Anleger hört man ein ganz leises, vereinzeltes und sehr bescheidenes Wassergeräusch, ein winziges Gluckern, als würde die Alster im Schlaf ein wenig murmeln.
Noch fünfunddreißig Tage bis zum Frühlingsanfang.

Der Februar als solcher ist der Ladenhüter der Monate, den würde ja keiner kaufen. Schnee und Eis liegen angeschmuddelt und sehr gebraucht herum, es ist unsinnig kalt, der Winter gammelt in der Gegend herum und geht einem auf die Nerven. Weil der Februar so ein erbärmlicher, drittklassiger Monat ist, wurde er bereits verkürzt, so daß er nicht nur weniger schön, sondern auch kleiner als die anderen Monate ist. Daß häßliche Entlein des Kalenders, aber kein Gedanke an die Schwanenzukunft. Er geht nicht schnell genug vorbei, die Stunden schlabbern mühsam grau in grau daher, man möchte jede einzelne schubsen und treten, damit endlich März wird. Bei ?Deutschland wählt den Supermonat? wäre er vollkommen chancenlos. Warum nur findet so etwas jedes Jahr wieder statt?
Noch fünfunddreißig Tage bis zum Frühlingsanfang.

Der Februar als solcher ist der Ladenhüter der Monate, den würde ja keiner kaufen. Schnee und Eis liegen angeschmuddelt und sehr gebraucht herum, es ist unsinnig kalt, der Winter gammelt in der Gegend herum und geht einem auf die Nerven. Weil der Februar so ein erbärmlicher, drittklassiger Monat ist, wurde er bereits verkürzt, so daß er nicht nur weniger schön, sondern auch kleiner als die anderen Monate ist. Daß häßliche Entlein des Kalenders, aber kein Gedanke an die Schwanenzukunft. Er geht nicht schnell genug vorbei, die Stunden schlabbern mühsam grau in grau daher, man möchte jede einzelne schubsen und treten, damit endlich März wird. Bei ?Deutschland wählt den Supermonat? wäre er vollkommen chancenlos. Warum nur findet so etwas jedes Jahr wieder statt?
Samstag, 11.02.2006
Die Morgenfrische
Ich habe ein neues Handy. Die Gebrauchsanleitung ist nahezu romanstark und beschreibt seitenlang Funktionen, die ich nicht nutzen möchte, daher würde ich es gerne beim Durchblättern belassen und das Gerät durch Versuch und Irrtum erkunden. Leider ist es nicht von derselben Marke wie sein Vorgänger, daher ist alles anders und die meisten Tasten machen eher nicht das, was ich von ihnen erwarte. Das ist in vielen Situationen irritierend und ein wenig spannend, etwa wenn man in das Theater geht und sich absolut nicht sicher ist, ob man das Handy wirklich erfolgreich auf ?stumm? gestellt hat. Das kann man aber noch mit Humor nehmen, Kleinigkeit. Wirklich schlimm ist es am frühen Morgen. Ich nutze schon seit Jahren stets das Handy als Wecker, das sind so festgefahrene Rituale, das Ausschalten des Handyweckers ist ein nur halbbewußter Bewegungsvorgang, fast ohne geistige Regung aus dem Dämmern heraus ausgeführt. Bisher jedenfalls. Das neue Handy gab zwar am frühen Morgen in bester Klangqualität und Lautstärke Vivaldi von sich, es gelang mir aber nicht, es wieder abzustellen. Die üblichen verdächtigen Tasten außen am Gehäuse gedrückt, nichts, es musizierte weiter. Aufgeklappt, weiter herumgedrückt, da gab es ein unerwartetes Klickgeräusch und das Ding hatte ein Photo von mir gemacht. Da ich am Abend wiederum vergaß, die Alarmfunktion in der Gebrauchsanleitung nachzulesen, wiederholte sich der Vorfall nahezu identisch am nächsten Morgen. Erschreckend nun, was diese vollkommen unfreiwilligen Selbstporträts eindeutig zeigen: Ein geradezu brutal schlecht gelaunter Menschen mit lichtscheu zusammengekniffenen Augen blickt da in die Kamera, im Ausdruck irgendwo zwischen panisch, angstbissig und angriffslustig. Der Kopf ist merkwürdig fehlproportioniert, was an der schlechten Kamerafunktion liegen kann, ich traue mich seit den Bildern nicht mehr, es im Spiegel genau zu prüfen.
Ich dachte bisher immer, ich würde verläßlich in einem engelsgleichen Zustand der Entspannung aufwachen und entsprechend aussehen. Sollte dies nicht zutreffen und die Handykamera die Wahrheit zeigen, kann ich nur sagen: Die Herzdame hat es auch nicht immer leicht.
Freitag, 10.02.2006
Marjorie, Rose und Ruby
Die Herzdame ist etliche Jahre jünger als ich, daher gibt es natürlich Themen, bei denen wir uns nur bedingt austauschen können. Wir haben zum Beispiel gänzlich andere Erfahrungswerte im Bereich der Popmusik und auch bei den Fernsehserien der Kindheit und Jugend gibt es natürlich nur wenige Überschneidungen. Gestern hatte ich bei einem Treffen mit einer gleichaltrigen Freundin das besondere Vergnügen, mit Stichworten aus der Kindheit auf Verständnis zu stoßen. Im Verlauf des Abends kamen wir auf "Das Haus am Eaton Place? und versanken dann unwillkürlich in Erinnerungen an das Personal. Die Namen der Figuren waren uns beiden bekannt, als ginge es um weitläufige Verwandtschaft, lange nicht mehr gesehen, aber doch genau einzuordnen und mit bekannter Geschichte. Würde man mich heute in diese Serie hineinversetzen, könnte ich wahrscheinlich noch jede Figur mit dem richtigen Namen anreden. Marjorie, Rose, Ruby und den Butler Hudson, den man später in Krimiserien wiedersah und dort immer als fremd empfand, weil das Haus am Eaton Place zuerst da war. Man kann gar nicht überschätzen, wie sehr die Serie mein Englandbild geprägt hat.
Ich habe hier eine Seite gefunden, wo man die Titelmelodie der Serie abspielen kann (ganz unten am Ende). Klingt ein wenig wie die Nationalhymne irgendeines Kleinstaates mit gekröntem Landesoberhaupt, theatralisch, sehr vergangen und seltsam umständlich konstruiert. Wunderschön.
Dienstag, 07.02.2006
Hörnchen, Sternchen, Muschelchen
Es ist bei eiskaltem Schneeregen sicherlich unangebracht, schon mit dem Frühjahrsputz zu beginnen, aber die Herzdame und ich haben dennoch in einem Anfall von wildem Aktionismus am Wochenende unsere Rumpelkammer aufgeräumt. Dabei handelt es sich um einen winzigen Raum, in den wir über zwei Jahre hinweg sehr viel hineingestellt haben, ohne jemals etwas herauszunehmen. Dadurch wurde das Öffnen der Tür allmählich zum Sicherheitsrisiko insbesondere für Gäste, die hinter dieser Tür regelmäßig das Badezimmer vermuten und beim Herumtasten nach dem Lichtschalter Rumpelkammerinhaltslawinen auslösten. Da wir nicht beide gleichzeitig in den Raum hineinpassen, hat sich die Herzdame alleine hineinbegeben und langsam vorwärts gearbeitet, dabei wie eine Tunnelbaumaschine sämtliches Material nach hinten schaufelnd, wo ich es zur Besichtigung und weiteren Sortierung entgegennahm.
Und dabei bin ich mit einer Selbsterkenntnis konfrontiert worden, die mir sonst vielleicht noch lange verborgen geblieben wäre. Offenkundig leide ich unter einer seltsamen psychischen Störung, zumindest lassen die Lebensmittel, die wir da ausgegraben haben, darauf schließen. Denn es spricht einiges dafür, daß ich bei fast jedem Einkauf auf den originellen Gedanken komme: ?Ach, nehme ich doch mal Suppennudeln mit.? Zum Beispiel Hörnchennudeln oder auch Nudeln in Sternchenform, Buchstabennudeln oder winzige Nudelmuscheln. In rauhen Mengen. Wenn ich mich recht erinnere, gehören diese Nudeln nur zu einem einzigen Gericht aus meinem Standardrepertoire, nämlich zu der Hühnersuppe. Die habe ich im letzten Jahr höchstens zweimal zubereitet, obwohl wir sie zum Abbau der Nudelvorräte ab sofort jede Woche zweimal essen sollten. Mit etwa acht Gästen. Und obwohl Nudeln sehr lange haltbar sind, waren ein paar Pakete schon abgelaufen und mußten entsorgt werden. Sehr verlockend, sie gleich morgen nachzukaufen.
Peinlich daran ist vor allem, daß es für die Angst, nicht genug Buchstabennudeln im Haus zu haben, bestimmt nicht einmal ein tolles Fremdwort gibt. Und auch keine Selbsthilfegruppen, wo man die Gruppentherapie mit einem offenen Bekenntnis beginnen könnte: ?Mein Name ist Merlix. Ich kaufe Nudeln.? Nein, da steht man ganz allein, mit so etwas.
Sonntag, 05.02.2006
Zum Wohle der Floristen
Heute nachmittag erwähnte ich beiläufig bei Durchsicht des Kalenders, daß am vierzehnten Februar Valentinstag sei und ich an diesem Abend etwas vorhätte. Woraufhin es zu folgenden Dialog mit der Herzdame kam:
Herzdame: ?Valentinstag? Macht ja nichts, da war doch noch nie was.?
Ich: ?Bitte??
Herzdame: ?Ist doch egal, der Tag, der findet doch bei uns gar nicht statt.?
Ich: ?Ach.?
Herzdame: ?Was heißt ach??
Ich: ?Ich schenke Dir seit fünf Jahren Blumen zum Valentinstag. Jedes Jahr. Rote Rosen.?
Herzdame: ?Echt??
Ich: ?Echt.?
Herzdame: ?Rote Rosen, sag bloß. Das ist schön. Da habe ich mich bestimmt immer gefreut.?
Andere Frauen beklagen sich, daß ihre Männer Geburtstage, Valentinstag oder den Hochzeitstag vergessen. Die Herzdame vergißt, daß ich so etwas nicht vergesse.
Samstag, 04.02.2006
Hotel zu den zwei Welten
Theaterabende mit meiner Freundin Andrea werden gute Tradition, obwohl unser erster Versuch unerwartet abenteuerlich war, haben wir uns gestern wieder ein Stück angesehen: ?Hotel zu den zwei Welten? von Eric-Emmanuel Schmitt im Altonaer Theater.
Das Stück spielt auf einer wartesaalähnlichen Station zwischen Leben und Tod. Menschen, deren Körper im Koma liegen, finden sich unvermutet hier wieder, ratlos über den Aufenthalt, es gibt keinen Ausgang, nur eine Fahrstuhltür. Sie warten darauf, daß sich für sie die Fahrstuhltür öffnet. Der Fahrstuhl fährt sie nach unten, zurück in das alte Leben, oder nach oben, einem unbestimmten und unergründlichen Ziel entgegen. Wie, warum und durch welche Instanz entschieden wird, wann und in welche Richtung die Fahrt geht, bleibt ungewiß, die Figuren warten ratlos zwischen den Welten.
Eine Handvoll Menschen sitzt da und wartet, man kennt sich nicht, man spricht aber notgedrungen miteinander. Sie erinnern sich an ihre Leben, sie erzählen sich von ihren Niederlagen und Hoffnungen und sie philosophieren ungeübt aber leidenschaftlich über die zwei Möglichkeiten, die sich ihnen stellen. Lebensleistungen werden aus dieser Perspektive unvermutet entwertet, vermeintliche Kleinigkeiten aus der Vergangenheit wachsen zu ungeahnter Bedeutung heran. Es geht um große Fragen und sie werden mit aller Ernsthaftigkeit angegangen, unergründlich bleibt dabei, warum das Stück als ?metaphysische Komödie? beschrieben wird. Heiter ist daran wenig, die Texte drücken einen förmlich tiefer in den Stuhl, man möchte manches am liebsten mitschreiben, um zu Hause daran in Ruhe weiterdenken zu können. Die Menschen auf der Bühne balancieren zwischen Leben und Tod, zwischen der endgültigen Sinnfindung und gar keinem Sinn mehr und das Ensemble vermittelt dieses zögerliche geistige Vortasten an Unmöglichkeiten und Unvorstellbares wunderbar einfühlsam, man möchte aus dem Theater gehen und sofort sehr tiefsinnige Gespräche führen.
Am Ende des Stückes applaudiert das Publikum in gepflegter Depression und sehr beeindruckt, man sieht den Gästen beim Hinausgehen an, daß sie sämtlich über schwerwiegende Fragen nachdenken, an der Garderobe und im Foyer ist es etwas ruhiger, als man es nach einer Vorstellung gewohnt ist. Ein wunderbarer Abend, sehr empfehlenswert, Vollkorn für den Geist ? es gibt noch weitere Vorstellungen und Karten. Ganz entschieden eine Bereicherung.
Andrea und ich gingen nach dem Theater in die Bar Hamburg, um dort die besagten tiefsinnigen Gespräche zu führen. Die Bar war sehr voll, es waren nur noch zwei etwas merkwürdige Plätze frei, im Treppenhaus zwischen den beiden Etagen, auf einem kleinen Absatz standen zwei Sesselchen. Zwischen zwei Etagen, zwischen zwei Welten, die Analogie war perfekt, die Plätze waren uns sehr recht. Wir sprachen über das Stück, über die beiden Welten, über unten, oben und das Zwischenreich und während wir gerade durchgrübelten, ob die Ebene, auf der man sich in diesem Leben befindet in irgendeinem Sinne dazwischen ist, brachte uns die Kellnerin unsere Getränke und sprach einen großen, erhabenen Satz, eine metaphysische Schlagzeile. Sie stellte uns die Gläser hin und sagte, was in der Bar wie im Leben gilt, denn abseits aller unerklärlichen Fragen gibt es natürlich unumstößliche Wahrheiten, an die man sich halten sollte: ?Auf dieser Ebene muß sofort bezahlt werden?.
Die Kellnerin denkt vielleicht immer noch darüber nach was an diesem Satz so komisch war, daß die beiden Gäste gestern, kaum hatten sie den Satz gehört, in große Heiterkeit verfielen und ihn fortwährend kichernd wiederholten.
Mittwoch, 01.02.2006
Wenn Buchbinder irren
Dienstag, 31.01.2006
Sprachskandal
Heute morgen haben zwei Handwerker ein Loch in unserer Schlafzimmerwand verschwinden lassen (das Loch entstand in den wirren Folgen dieser Geschichte). Währen sie an der Wand arbeiteten stand ich in der Küche, hörte sie nebenbei reden und dachte mir, irgend etwas stimmt hier nicht, etwas an dem Gespräch der beiden kam mir merkwürdig vor. Nach einer Weile kam ich auch darauf, was da nicht stimmte: Die beiden siezten sich. Zwei Handwerker aus der gleichen Firma, beides wahrscheinlich Gesellen, eher junge Leute, per Sie. So etwas habe ich mein Lebtag noch nicht gehört, ich finde das ungeheuerlich. ?Reichen sie mir mal den Hammer, bitte?? Das geht doch nicht.
Das ist irgendwie so, als würden sie am Ende eines Einsatzes einen Piccolo trinken und nicht etwa ein Bierchen. Auf nichts ist mehr Verlaß.
Sonntag, 29.01.2006
Dunkel und scharf
Ich bin kaum für technisches Spielzeug zu begeistern, es sei denn, es geht um Küchenzubehör. Da allerdings bin ich stets in Gefahr, ein Vermögen zu verschwenden und kann mich auch für jedes noch so sinnlose neue Spielzeug der Industrie erwärmen. Vor kurzer Zeit erwähnte ich gegenüber der Herzdame, daß ich schändlicherweise über keine elektrische Pfeffermühle verfügen würde, obwohl es die schon seit Ewigkeiten gibt und sie sogar erschwinglich sind. Die Herzdame hat daraufhin mitfühlenderweise eine elektrische Pfeffermühle erstanden und mir als Geschenk überreicht. Zu meiner großen Begeisterung mahlt dieses Gerät nun nicht nur Pfeffer, nein, es macht dabei auch Licht Während man mahlt, wirft es unten einen kräftigen Lichtstrahl auf die bestreute Speise, damit man, so steht es auf der Packung, auch bei gedämpften Licht perfekt dosieren kann. Ich bin noch nie im Leben darauf gekommen, beim Pfeffern Licht zu vermissen, aber es ist doch eine hervorragende und ungemein nützliche Erfindung.
Die Herzdame findet es allerdings etwas lästig, daß ich jetzt immer wenn das Essen aufgetragen wurde, feierlich das Licht ausmache, um dann im stockdunklen Zimmer elektrisch zu mahlen und zu leuchten. Und weil es ein Riesenspaß ist, mit dem Suchscheinwerfer über der Pizza zu kreisen, esse ich ziemlich scharf zur Zeit, denn eine Drehung über das Essen ist viel zu schnell vorbei. Mein vollkommen ernst gemeintes Angebot, auch ihr Essen zu würzen und auszuleuchten lehnt sie regelmäßig ab, mit dem Hinweis, sie könne auch bei normaler Beleuchtung würzen. Sie hat das mit dem Fortschritt leider noch nicht verstanden. Man muß die Technik gelegentlich auch das Leben verändern lassen, sonst bleibt man zurück.
Samstag, 28.01.2006
Leichengucken im Hamburger Hafen
Die Herzdame und ich haben einen langen Spaziergang durch den Hamburger Hafen gemacht, denn es war gutes Wetter zum Leichengucken, strahlender Sonnenschein, viel glitzerndes, treibendes Eis auf der Elbe. Wenn in Krimis Eis auf Flüssen oder Seen gezeigt wird, sagt die Herzdame, treibt darunter immer in der nächsten Einstellung eine Leiche. So gingen wir Arm in Arm an der vereisten Elbe entlang, aßen Fish and Chips und warteten gespannt auf eine aus dem Wasser ragende Hand oder ein anderes Körperteil. Wir sahen zu, wie die Hafenfähren die Eisschollen in träge Wallung brachten, hörten dem unentwegten Knirschen auf der Wasseroberfläche zu und staunten über eine uns gänzlich unbekannte Wasservogelart, von der sich einige Exemplare auf einer Scholle treiben ließen. ?Spitzbuntschnabelenten?, schlug die Herzdame schließlich vor. Nach Krimi sah das alles nicht aus. ?Bestimmt hinter dem nächsten Schiff?, sagte die Herzdame gelegentlich und so kamen wir ziemlich weit, allerdings ganz ohne spannungstaugliche Entdeckung. Nach dem wir ganz und gar durchgefroren waren und keine Imbißbude zum Aufwärmen mehr in Sicht war, brachen wir die Suche ab.
Wir werden das Leichengucken dennoch bei gutem Wetter bald wiederholen. Einfach ziellos im Hafen herumlaufen, nur um die Gegend anzusehen - das machen nur Touristen. Als Hamburger braucht man einen ernsthaften Anlaß für so etwas.

Freitag, 27.01.2006
Höflichkeit für Fortgeschrittene
In der Bäckerei, in der ich gelegentlich zu Mittag esse, bedient ein äußerst freundlicher türkischer Verkäufer. Heute begrüßte er eine junge Frau, die vor mir an der Theke darauf wartete, ihre Bestellung abzugeben, mit den Worten: "Schöne Frau, was darf ich für sie tun?". Wobei genau in dem Moment des Aussprechens eine zweite junge Frau an der Theke erschien, so daß er, nicht schnell genug reagierend, diesen Satz sozusagen mitten durch die zwei Frauen hindurchsprach. Er guckte irritiert von einer zur anderen, die beiden Frauen sahen sich prüfend an, sagten wie aus einem Munde "Wer - ich?" und machten versuchsweise zaghafte, wenig überzeugende Gesten, der jeweils anderen den Vortritt zu lassen, wodurch es aber zu keiner Entscheidung kam. Die beiden Frauen standen und sahen den Verkäufer an. Der Verkäufer, deutlich rot geworden und die Hände zur Decke hebend: "Bitte, bitte, meine Damen - sagen sie ihre Wünsche gleichzeitig!"
Dienstag, 24.01.2006
Wohnungssuche: Der besondere Schnitt
Die Herzdame und ich sehen uns natürlich alle Wohnungen an, die in unserer Nachbarschaft angeboten werden, denn eigentlich wollen wir keineswegs aus der Gegend wegziehen, sondern nur aus dem fünften Stock. Irgendwann haben wir auch sicher alle Absurditäten in der Nähe durch. Heute war es eine sehr gut geschnittene Wohnung in einem Hinterhaus, vier Zimmer, kein Balkon. Daß der Boden, die Wände, die Küche und das Bad stark renovierungsbedürftig waren, scheint heute schon selbstverständlich zu sein, ebenso daß es in der Küche nicht einmal einen Herd gab. Die Einfachverglasung von etwa 1920 war schon eher originell, man kam auch bei geschlossenen Fenstern ganz zwanglos mit den Minusgraden draußen in Kontakt.
Wirklich verblüffend fanden wir aber, daß die Toilette direkt an die Küche angrenzte und mit dieser durch ein Fenster verbunden war. Man hätte, wenn man der Spüle gestanden und etwa Kartoffeln geschält hätte, die Schalen mit etwas Übung direkt ins Klo werfen können. Man hätte auch dem dort sitzenden Partner eben ein Getränk durchreichen können. Oder man hätte natürlich den Partner in prekärer Situation mit Kartoffelschalen bewerfen können ? faszinierende Möglichkeiten.
Zu diesem Spaß wird es aber leider nicht kommen, die Wohnung kam wegen des schlechten Zustandes nicht in Betracht. Sehr schade.
Montag, 23.01.2006
Ruhe bitte
In dem Zug, mit dem wir am Wochenende zurück nach Hamburg gefahren sind, saß ein sehr fröhliches Pärchen direkt hinter uns. Sie sahen aus wie aus einer RTL-2-Talkshow, er mit einem zerschlissenen Muskelhirt und gewaltigem Bauchansatz, Cowboystiefeln und geflochtenem Ledergürtel, sie fortgeschritten ungepflegt und trotz Korpulenz ganz im Tigerlook. Die Optik der beiden hätte mich natürlich nicht weiter gestört, da sie hinter uns saßen, schlimmer als ihr Aussehen war aber, was man von ihnen hörte. Sie holte, kaum daß sie sich hingesetzt hatten, ein Witzbuch aus ihrer Reisetasche und las ihrem Mann unentwegt und unüberhörbar einen schlechten Witz nach dem anderen vor, alle auf dem Niveau von ?Kommt ein Mann zum Arzt...? oder auch darunter. Wobei sie zu den Menschen gehörte, die schon bei der Erwähnung des Wortes Witz anfangen zu lachen, so groß war ihre Heiterkeitsbereitschaft, sie kicherte sich glucksend durch die Zeilen, immer wieder aus den Augen verlierend, wo sie gerade war, wieder von vorn beginnend, schenkelklopfend und nach Luft ringend. Der Mann hörte sich das schweigend an, dachte über jeden beendeten Witz etwas nach und lachte erst nach einer kleinen Pause, leise und eher vorsichtig, wonach er jeweils anfügte: ?Verstanden?, wie eine Leistungsmeldung. Was wiederum mit der Ankündigung beantwortet wurde, daß der nächste Witz noch besser sei.
Auf solchen Bahnfahrten möchte man auf die Knie fallen und den Erfindern der Kopfhörer und der tragbaren Player danken für ihr großes Werk. Was hat man nur früher gemacht, als es diese Erfindungen noch nicht gab, wohl aber solche Mitmenschen in Zügen? Wahrscheinlich mußte man sie noch eigenhändig erschlagen und aus dem Zug werfen, um seine Ruhe zu haben. Wie wundervoll, daß wir in viel komfortableren Zeiten leben.
Sonntag, 22.01.2006
Viva Colonia II
Unsere Gastgeber in Köln, die aus unserem Hamburg vor einiger Zeit weggezogen sind, um am Rhein zu leben, haben zwar verständlicherweise ihre Wohnung noch voller Hamburgbilder, die auf Sehnsucht schließen lassen, sind aber doch kulturell bereits in anderen Sphären. So saß die Gastgeberin bei unserer Ankunft an der Nähmaschine und arbeitete an ihrem Funkenmariechenkostüm.

Um sich karnevalsmäßig komplett integrieren zu können, besuchen sie tatsächlich Weiterbildungsveranstaltungen mit dem schönen Titel ?Loss mer singe?, bei denen man unentwegt Karnevalslieder vorwärts und rückwärts singt, bis man das klassische Liedgut im Schlaf mitsingen kann, wie in Köln allgemein üblich. Ein Karnevaltrainingslager für Zugereiste. Aus prinzipiellem Interesse an gepflegter Unterhaltung würde mich eine solche Veranstaltung brennend interessieren, vielleicht findet sich im nächsten Jahr eine Gelegenheit zur Teilnahme.

(Kölner laufen so herum, auch beim Einkaufen)
Am Samstagabend waren wir in dem kleinen Theater ?Senftöpfchen?, wo das Duo Malediva das Programm ?Heimatmelodie? aufführte. Sehr zu empfehlen, die beiden sind Gewinner des Kleinkunstpreises 2006 und allemal sehenswert, die Gesangsdarbietungen sind virtuos und anrührend. Bei einem etwas hektischen Mikrofonwechsel schlug sich einer der beiden Künstler ein Stück aus dem Gebiß, spielte aber bewundernswert ungerührt weiter, nachdem er den halben Zahn sorgsam und nicht ohne Eleganz auf dem Klavier abgelegt hatte. Das Künstlerleben hat seine Risiken.

Beim abschließenden Bummel durch die touristendurchtoste Altstadt taumelte uns aus einer Kneipe heraus ein Mann vor die Füße, der mit einiger Mühe und kaum noch verständlich seinem Freund, der hinter ihm aus dem Laden wankte, lallend einen sehr zufriedenen Satz zurief: ?Die erste Blonde war ein guter Schuß!? Man kann sich anhand dieses einfachen Satzes ganz gut ein Bild von der Stimmung in den Kneipen machen. Wir blieben nicht lange in der Altstadt, sondern gingen mit unseren Gastgebern in die Eckkneipe neben ihrer Wohnung, wo sich bewahrheitete, was man der Stadt Köln allgemein nachsagt, man kommt tatsächlich sehr leicht mit den Leuten ins Gespräch. Und da man auf das Wohl der Frau hinter dem Tresen anstoßen mußte, sie hatte gerade Geburtstag, blieben wir etwas länger. Und da Francesco, der portugiesische Matrose auf einem Rheinschiff, Tränen in den Augen hatte, als er hörte, daß wir schon einmal auf Madeira waren, tranken wir zu dieser rührenden Szene auch noch ein paar Kölsch. Die Musik wurde derweil tanzbar, die Herzdame und ich nahmen die Gelegenheit wahr, auf nur einem Quadratmeter formvollendeten Paartanz zu üben, was uns wiederum sehr durstig machte. Ein namenlos gebliebener Mensch versuchte mir während der Tanzpausen seine eigenartigen Deutschlandkenntnisse zu erklären. Er kannte nur Städte, in denen es eine Pathologie gibt, sein Beruf war mit der Einrichtung dieser speziellen Räumlichkeiten in Kliniken verbunden, er hatte also ein leichenorientiertes Deutschlandbild, mit lauter weißen Flecken in den Gegenden, wo es für ihn nichts zu tun gab. Auf die weißen Flecken mußten wir anstoßen und auch darauf, daß meine Heimatstadt Lübeck eine besonders schöne Pathologie hat, wie er mir erzählte, während er einen Arm um mich legte. Die schöne Pathologie meiner Heimatstadt machte mich ganz eindeutig sympathisch.
Es wurde ein bewegter und sehr spaßiger Abend. Da bei all diesen Gesprächen fortwährend Runden ausgegeben wurden, sind mir die letzten Stunden der Nacht verdächtig unklar, aber ich habe jedenfalls vollkommen verstanden, warum meine Kollegen vor der Reise zu mir sagten: ?Nach Köln? Na, treib? es mal nicht zu doll.?
Der Lokalpatriotismus der Kölner erklärt sich übrigens unter anderem auch durch solche Plaketten an auserwählt scheußlichen Gebäuden:

(Liebe deine Stadt)
Aufforderungen in diesem Stil hängen sonst nur noch in Nordkorea.
Freitag, 20.01.2006
Viva Colonia
Die Herzdame und ich werden gleich etwas verreisen, ein weiterer Kurztrip im Rahmen der Aktion "Wir verfolgen Freunde, die Hamburg verlassen haben". Diesmal verschlägt es uns nach Köln. Als ich das gestern im Büro erzählte, antworteten mir gleich drei Kollegen vollkommen unabhängig voneinander: "Köln? Dann treib' es mal nicht zu doll!"
Eine irritierende Aussage. Für mein Verständnis müßte man das zu einem Kölner sagen, wenn er nach Hamburg fährt. Der Sache werden wir auf den Grund gehen.
Mittwoch, 18.01.2006
Glaubensfragen
Ich habe beruflich ein wenig mit Softwareentwicklung zu tun und dazu gehört es auch, Anwender in der Benutzung der Programme zu schulen. Gestern rief mich ein neuer Mitarbeiter und Anwender an, der an einer Stelle nicht weiterkam. Da ich nicht nachvollziehen konnte, wovon er sprach, bat ich ihn, seinen Weg durch das Programm genau zu schildern.
Kollege: "Also ich gehe auf die Startseite".
Ich: "Ja, soweit klar."
Kollege: "Dann drücke ich den Button, den es nicht mehr gibt."
Ich: "Bitte?"
Kollege: Ich klicke da oben links, wo nichts ist."
Ich: "Willst du mich auf den Arm nehmen?"
Kollege: "Meine Kollegen hier sagen, da war früher einmal ein Button und wenn man den angeklickt hat, gab es später keine Probleme mit dem Speichern. Der Button ist zwar nicht mehr da, aber man soll da immer noch drauf klicken, die Funktion geht noch."
Ich: "Klar. Und hinterher soll man eine tote Katze über die linke Schulter werfen."
Kollege: "Du meinst das ist Quatsch?"
Ich: "Und wie. Grober Unfug. Kein Button, keine Funktion."
Kollege: "Ach. Das muß ich dann wohl hier mal weitergeben."
Ich: "Nein, besser nicht. Man soll den Leuten ihren Glauben lassen."
Kollege: ?Schaden tut das Klicken ja auch nichts.?
Ich: ?Nein nein, es schadet nicht. Es macht einfach gar nichts. Laß sie ruhig klicken, wenn es dann besser läuft.?
Und ich gehe jetzt in die Küche und haue meinen Kopf schwungvoll gegen den Schrank über der Spüle. Als ich das neulich mal aus Versehen gemacht habe, war am nächsten Tag tolles Wetter. Das ist vielleicht wiederholbar, es kommt immer auf den Versuch an.
Montag, 16.01.2006
Bestes Mützenwetter
Als ich heute aus dem Büro ging, setzte ich mir in Erwartung der Kälte auf der Straße schon bevor ich meinen Schreibtisch verließ meine Mütze auf, was ich aus gutem Grund sonst erst vor dem Haus tue. Ich ging noch eben bei einer Kollegin vorbei, um ihr einen schönen Abend zu wünschen. Entgeistert starrte sie mich und meine Kopfbedeckung an, um schließlich festzustellen: ?Das finde ich sehr vertrauensvoll, daß du dich mir so zeigst.?
Man merkt an solchen Sätzen, wenn Menschen Psychologie studiert haben. So einfühlsam.

